07.04.2026
Schildkrötennotfall in Hanau
Anfang letzter Woche erreichte uns ein Hinweis durch eine Tierrettung, dass sich in Hanau zwei Gelbbauchwasserschildkröten in einem äußerst schlechten Zustand befinden und dringend Hilfe benötigen. Wir haben uns daraufhin umgehend auf den Weg gemacht, um uns vor Ort ein Bild zu machen und die Tiere, wenn möglich, zu übernehmen.
Die Besitzer trauten sich zunächst nicht, uns persönlich gegenüberzutreten, und schickten stattdessen ihre erst elfjährige Tochter, um uns die Tiere zu übergeben. Dies war für uns so nicht möglich, da für eine rechtmäßige Abgabe die Unterschrift der Halter erforderlich ist. Nach kurzer Zeit kamen die Besitzer dann doch hinzu und wir konnten die Übergabe klären.
Bei der ersten Untersuchung zeigte sich schnell, wie ernst die Lage war. Beide Schildkröten hatten deutlich hörbare Atemgeräusche, was auf eine schwere gesundheitliche Beeinträchtigung hindeutet. Zudem bestand der Verdacht auf Parasitenbefall. Der Bauchpanzer war gerötet, ein mögliches Zeichen für eine Infektion. Besonders erschreckend war auch, dass den Tieren eine notwendige Wärmelampe fehlte und sie insgesamt unter Bedingungen gehalten wurden, die ihren Bedürfnissen in keiner Weise gerecht wurden.
Wir haben die beiden Tiere umgehend übernommen und in eine spezialisierte Reptilienauffangstation nach Rheinsfeld gebracht. Dort werden sie nun fachkundig medizinisch versorgt und artgerecht untergebracht. An dieser Stelle möchten wir unseren ausdrücklichen Dank an die Auffangstation richten, die sich mit großem Engagement und Fachwissen um solche Fälle kümmert.
Dieser Einsatz zeigt einmal mehr, wie sehr gerade Reptilien in menschlicher Obhut leiden können, ohne dass es jemand bemerkt. Anders als Hunde oder Katzen, die im Alltag sichtbar sind, führen diese Tiere oft ein verborgenes Dasein. Ihr Leid bleibt lange unentdeckt, obwohl es nicht weniger schwer wiegt. Sie sind vollständig auf die Kenntnisse und die Verantwortung ihrer Halter angewiesen.
Umso wichtiger ist es, genau hinzuschauen und sich bewusst zu machen, welche Ansprüche solche Tiere haben. Unwissenheit oder Nachlässigkeit führen hier schnell zu großem Leid.
Wir sind dankbar, dass die Besitzer letztlich einsichtig waren und uns die Schildkröten übergeben haben. Für die beiden Tiere beginnt nun hoffentlich ein neuer Abschnitt, in dem sie die Pflege und Umgebung erhalten, die sie dringend brauchen.

Übergabe der Schildkröten durch die 11 jährige Tochter
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