Unsere Amanda war beim Tierarzt

Unsere Amanda war beim Tierarzt

08.09.2026

Da unsere Amanda an Husten leidet, wurde sie gestern unserer Tierärztin vorgestellt. Nach zwei Röntgenaufnahmen, einer Blutabnahme und zwei Spritzen konnten wir wieder zurück ins Tierrefugium fahren. Amanda hat eine Erkältung und leicht erhöhte Entzündungswerte. Sie bekommt nun Antibiotika und einen Hustenlöser und wir hoffen, dass es ihr ganz schnell wieder besser geht.

Und was sollen wir sagen? Wirklich alle waren begeistert von Amanda. Sie war unglaublich lieb, geduldig und freundlich. Diese Hündin ist gerade einmal seit zehn Tagen bei uns und schenkt uns schon so viel Vertrauen. Außerdem hat Amanda bereits 600 Gramm abgenommen. Für uns ist sie eine echte Traumhündin.

Amanda ist ein Cane Corso und wird damit in einigen Bundesländern als Listenhund und somit als potenziell gefährlich eingestuft. Genau das können wir aus unserer täglichen Arbeit überhaupt nicht nachvollziehen. Einen Hund allein aufgrund seiner Rasse vorzuverurteilen, ohne ihn überhaupt kennengelernt zu haben, ist für uns eine Form von Diskriminierung, die wir entschieden ablehnen.

Und diese Diskriminierung trifft nicht nur die Hunde, sondern auch ihre Menschen. Halterinnen und Halter werden im Alltag häufig verurteilt, obwohl niemand ihren Hund kennt. Auch Städte und Kommunen tragen dazu bei. Hanau und Mühlheim gehören beispielsweise zu den Städten, in denen für Listenhunde eine massiv erhöhte Hundesteuer verlangt wird. Das trifft auch Menschen, die sich ganz bewusst dazu entschieden haben, einem solchen Hund aus dem Tierschutz ein Zuhause zu geben.

Und das, obwohl diese Halterinnen und Halter durch Sachkundenachweis und Wesenstest zeigen müssen, dass sie ihren Hund verantwortungsvoll führen, ihn lesen können und von ihm keine Gefährlichkeit ausgeht. Trotzdem werden sie mit einer deutlich höheren Steuer zusätzlich belastet. Für uns hat das nichts mit Gefahrenabwehr zu tun. Es wirkt vielmehr wie eine zusätzliche Bestrafung der Menschen, die diesen Hunden eine Chance geben.

Genau solche Hürden sind auch ein Grund dafür, dass Listenhunde häufig besonders lange im Tierheim bleiben. Und das ist für uns schlicht untragbar.

Wir erleben es immer wieder. Auch unsere bisherigen Cane Corsos waren wunderbare, menschenbezogene und freundliche Hunde. Viele hatten in ihrem Leben Schlimmes erlebt und trotzdem waren sie voller Vertrauen. Amanda zeigt uns gerade genau dasselbe.

Wir möchten dabei auch eines ganz klar sagen. Ein Hund ist niemals ein schlechter Hund. Auch ein Hund, der sich gegenüber anderen Hunden oder Menschen gefährlich verhalten kann, ist kein schlechter Hund. Er zeigt ein Verhalten, das wir verstehen, einschätzen und gegebenenfalls absichern müssen. Die Rasse allein sagt darüber nichts aus.

Wir sind überzeugt, dass jeder Hund als Individuum betrachtet werden muss und nicht nach einem Rassebild beurteilt werden darf. Und wir sind uns ziemlich sicher, dass so mancher vermeintlich ganz normale Hund einen Wesenstest nicht bestehen würde und auch nicht jeder Halter automatisch über die notwendige Sachkunde verfügt.

Wir werden deshalb auch weiterhin jeden Hund als das sehen, was er tatsächlich ist. Ein Lebewesen mit seinem ganz eigenen Charakter, seinen Erfahrungen und seiner Geschichte. Und Amanda zeigt uns gerade jeden Tag aufs Neue, wie ungerecht Vorurteile sein können.

 

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